Die Verbannung der echten Musik

MusikDa mir seit der Gründung dieses Projekts wichtig war, unserer Leserschaft nicht nur News und Reviews darzubieten, sondern auch persönliche Interessen in das Aufgebot unserer Artikel einfließen zu lassen, war mir lange nicht klar, wie ich verfahren werde, um diese besondere Komponente zu verwirklichen. Da ich diverse Interessen verfolge, die fernab der Technik-Branche eingegliedert werden, dachte ich, es wäre gar nicht so verkehrt, diese Tatsache zu nutzen. Einige von euch wissen z.B., dass ich ein großer Fan der “klassischen” Art und Weise des Musikhörens bin. Sprich, ich setze mich lieber vor meine Anlage und höre eine CD oder eine Schallplatte anstatt den Computer zum Musikgenuss in den eigenen vier Wänden zu verwenden. Meiner Meinung nach bietet diese Variante diverse Vorteile, die mir Spotify Premium (um den Schuldigen beim Namen zu nennen) nie bieten werden kann.

Anders als viele Leute es möglicherweise wahrnehmen, verabscheue ich die Nutzung dieser Sevices nicht, nein. Was ich verabscheue, das ist die äußerst große Ignoranz, die ich bei einem Großteil der Musikhörenden von heute (was quasi jeder ist) vernehme. Und das obwohl CD und Schallplatte – ganz objektiv betrachtet – eine deutlich höhere Klangqualität und somit logischerweise auch einen besseren Musikgenuss bieten. Wer nicht weiß, wieso, sollte an dieser Stelle googlen gehen. Natürlich bieten Spotify & Co. unterwegs viel mehr Möglichkeiten, es geht mir jedoch um das Musikhören zu Hause. Hier dominieren derartige Dienste auf keinen Fall – vorausgesetzt man hat ein mehr oder weniger gutes Equipment für den Musikgenuss und hört nicht unbedingt Kassetten über das Küchenradio. Deswegen möchte ich in diesem Artikel dazu aufrufen, etwas neues zu probieren, das eigentlich ganz und gar nicht neu ist: Hört mehr CDs und Schallplatten.

Ihr fragt euch, wieso? Meine Liste ist lang. Nicht nur, dass die Klangqualität – wie bereits erwähnt – höher ist. Nein, es geht in erster Linie nicht einmal darum, denn geschätze 95% der Weltbevölkerung hören den Unterschied zwischen einer 128 kbit/s MP3 und einer SACD nicht. Infolgedessen ist die Qualität der Musik also nicht einmal das hauptsächliche Kriterium, wegen dem ich mich an euch wende. Es geht eigentlich um das Gesamtpaket. Vergleichen wir einfach mal das Erlebnis, das ein Musikliebhaber bei Spotify hat, mit dem, was das Hören einer Schallplatte vermittelt. Auf dem Computer ist es eine Sache von Sekunden, bis das gewünschte Album aufgerufen und abgespielt wird. Fertig. Man sieht vielleicht irgendwo das Cover und einige Informationen zum Song, Album oder Interpreten. Und dann meint man, man höre Musik – und vor allem meint man, man genieße sie.

Nun zur Schallplatte: Man geht optimalerweise in ein Musikgeschäft, sucht sich das gewünschte Album heraus und bekommt meistens eine 180g schwere, hochwertig gepresste Schallplatte mit beiliegendem MP3-Code, über den das Album noch einmal kostenlos heruntergeladen und für das casual listening auf dem iPod oder einem anderen Musikwiedergabegerät genutzt werden kann. Außerdem ist auf dem Pappschuber der Schallplatte ein wundervolles Cover in hochauflösender Qualität gedruckt, manchmal findet der geneigte Betrachter sogar einen Reliefdruck vor, den er fühlen kann. Da heutzutage aufgrund der erhöhten durchschnittlichen Titelanzahl pro Album fast nur Doppelvinyl-Alben gepresst werden, befinden sich auf der Rückseite meist nähere Informationen zur Albumproduktion. Und was findet man in der doppelseitigen Mitte vor, was sieht man, wenn man den Schuber aufklappt? Ein Künstler, der sich dazu entscheidet, sein Album auf Vinyl zu verwirklichen, gibt sich meistens eine ungeheure Mühe, damit das finale Produkt so perfekt wie möglich ist. Wahrscheinlich wurde ich aufgrund dieser Tatsache bisher noch nie nach einem Kauf einer aktuellen Schallplatte enttäuscht. Nach Aufklappen des Pappschubers werden in den meisten Fällen entweder die Lyrics der Albumtitel, eine Künstlerbiographie, ein ausführlicher Text zum Album und zu seiner Bedeutung oder irgendein mühevoll gestaltetes, wunderschönes Kunstwerk sichtbar. Allein das Betrachten des Covers und der “Innereien” des Schubers ist ein Erlebnis, von dem man bei Spotify & Co. nur träumen kann, doch jetzt geht es erst richtig los.

Das Gefühl, das einen durchfährt, wenn man eine neue Schallplatte auspackt und sie auflegt, den Tonarm in die richtige Position bringt und die Nadel senkt, ist für Menschen, die eine derartige Erfahrung noch nicht gemacht haben, etwas komplett Fremdes. An all diese Menschen: Lasst mich euch versichern, es ist unglaublich.
Zwar wird die große Zeitersparnis durch Computer und Online-Services immer so hoch gelobt, aber was ist denn eigentlich so verkehrt daran, sich auch mal etwas Zeit für die Musik zu nehmen, die man liebt? Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, aus dem Alltag zu entfliehen, als sich einfach mal vor die Anlage zu setzen, eine alte (oder neue) Schallplatte aus dem Regal zu nehmen und sich der Musik zu widmen. Ich las vor langer Zeit im Internet einmal “without music, life would be a mistake”, und wenn man mich fragt, dann stimmt das. Deswegen frage ich mich: Warum gibt man sich etwas so lebenswichtigem nicht hin? Wieso wird etwas so elementares wie Musik nur beiläufig konsumiert, und nicht in ihrer vollen Bandbreite? Darüber solltest auch Du, lieber Leser, nachdenken.

Ich möchte hervorheben, dass ich mit diesem Artikel keine Personengruppe in irgendeiner Art und Weise anprangern wollte. Meine Intention war es lediglich, die Menschen dazu aufzurufen, sich für alternative Arten des Musikkonsums zu öffnen und die Intoleranz denselbigen gegenüber endgültig zu verbannen. Wenn Du ein Spotify-Mensch bist, dann bleib weiterhin einer, wenn Du möchtest. Ich kann dir nur eines ans Herz legen: Es ist gar nicht so verkehrt, auch mal etwas Neues Altes auszuprobieren.

Du kannst die Pfeiltasten benutzen, um zwischen Artikeln zu navigieren.

10 Kommentare

  1. MacSnider says:

    Ich höre zwar auch gern und viel Musik aber bin faul und nicht audiophil von daher ^^

    • Wie schon in dem Artikel erwähnt geht es nicht wirklich um die Klangqualität, Du müsstest also nicht einmal audiophil sein. Falls Artwork & Co. für dich keinen hohen Stellenwert haben sind die Online-Dienste natürlich eher etwas für dich. Sollte deine eigene Faulheit jedoch das Einzige sein, was den Umstieg verhindert, sporne ich dich hiermit an, selbiger den Kamp anzusagen. ;)

    • Schließe mich dir da voll und ganz an. Spotify und co. sind schneller und geben ganz neue Möglichkeiten, neue Lieder zu entdecken. Würde nicht behaupten, eine “weniger enge Beziehung zu meiner Musik” zu haben als Sassan.

  2. Auch wenn das jetzt gar nix mit dem Artikel zu tun hat – ENDLICH eine Kommentar Funktion – woot woot!

  3. Ich finde, du hast mit deiner Ansicht und der gesamten Auslegung des Themas Recht. Für Musik sollte man sich Zeit nehmen. Downloads und ähnliches sind okay uns nützlich, aber sehr lieblos. Bei CDs und Platten kann man die Arbeit hinter diesem Werk besser sehen. Da bekommt man ein echtes Gefühl für die Musik. Ein schönes Gefühl.
    Es muss unglaublich toll sein, Zuhause zu sitzen und eine Schallplatte auf den Plattenspieler aufzulegen (Vor allem mit so einem schicken Teil wie deinem!). Leider hatte ich das Vergnügen bis jetzt noch nicht, aber das kann sich ja ändern. :)

  4. ubahnverleih says:

    Vor ein paar Jahren hab ich, wie wir alle wohl, viel CD gehört. Und ja es gab nix Cooleres als eine original CD, weil man da ein tolles Cover-Heft bekam. In einigen habe ich unendlich lange geblättert. Und leider war ich zu oft auch enttäuscht von CDs wo das Cover nur aus einem stück beschichtetem Papier bestand. Ohne irgendwelche extras. Ich habe auch Alben 5 mal am Tag durchgehört (wird man dafür heutzutage schon ausgelacht?) und so lange gehört bis ich jede Textzeile auswendig konnte. Und noch länger.

    Allerdings schätze ich Services wie Spotify sehr. Es gibt einfach viel zu viel Tolle Musik welche man einfach nicht kennt. Ich entdecke täglich Perlen, welche ich ohne Spotify (oder vorher last.fm) nie entdeckt hätte. Musik genießen heißt auch neue Musik entdecken! Deswegen rufe ich jetzt dazu auf: Entdeckt neue Musik. Hört nicht immer das alt bekannte. Nutzt Spotify&Co! Findet neue tolle Musik und genießt sie. (Ich habe übrigens nachdem Spotify nach DE kam extra ein Musikbox aufgesetzt um Tolle Musik, welche ich täglich finde mit anderen Menschen zu teilen. Weil selber finden nicht immer einfach ist.)

    Und zur Audioqualität: Diese Diskussion halte ich einfach für Übertrieben – jedenfalls den Unterschied zwischen Spotify und AudioCD – Und ja ich gebe zu Schallplatten sind trotzdem noch ein anderes Klangerlebnis.

  5. Sehr schöner Artikel :)

    Ich höre auch sehr viel Musik, aber dann doch am Computer, weil es dann doch irgendwie einfacher ist einen Titel rauszusuchen. Dennoch habe ich eine gute Soundanlage und so mache ich mir auch manchmal Playlisten und höre die dann einfach mal in Ruhe.
    Leider habe ich noch kein iPod, iPhone oder sonst irgendein Gerät, womit ich mobil Musik hören kann.

    -Gruß Oliver

    • PS: Dieses Jahr war ich auch bei Rock Am Ring und ich muss sagen, dass man dort die Musik einfach am besten genießen kann.

  6. Das ist ein wirklich schöner Artikel, für den ich inhaltlich sehr viel Sympathie habe. Ich bin Spotify und im Moment auch noch Simfy-Nutzer. Zudem bin ich seit Jahren Kunde bei iTunes. Seitdem ich Musik fast ausschließlich am Rechner und kaum noch über unsere (noch immer vorhandene) Stereoanlage höre, hat sich mein “Verhältnis” zur Musik genau in der Form verändert, wie du es beschreibst. Unmerklich, langsam aber sich hat sich das eingestellt, was man auch an anderer Stelle über “unser Verhältnis” zur Musik schon lesen konnte. Wir konsumieren statt zu hören. Das ist einerseits schade. Auf der anderen Seite weiß ich aber nicht einmal bei mir selber, wie ich das stoppen sollte. Ich kann die Entwicklung auch nur unter dem Begriff Veränderung subsumieren. Zurückdrehen lässt sich das wohl nie mehr. Im Keller habe ich noch ca. 500 Langspielplatten, von denen ich immer seltener mal das eine oder andere Exemplare ins Wohnzimmer hole. Dann werf ich den Schallplattenspieler an (der geht auch noch) und schwelge in alten Zeiten. Gerade erst war wieder ein Anlass dafür. Fireball von Deep Purple war die 1. Langspielplatte überhaupt, die ich mir gekauft habe. Die lag auch im Keller herum.

    Ich bin übrigens über Elmastudio auf deine Seite gekommen. Auch ich nutze dieses tolle Theme von Ellen und Manuel.

    • Hallo Horst!
      Es freut mich, dass Du einen derart ausführlichen Kommentar zu meinem Artikel hinterlassen hast. Ich kann dir leider keinen wirklich guten Ratschlag zu deinem Problem geben. Ich denke, das einzige was Du wirklich brauchst, um ein bisschen von all den Online-Services wegzukommen und dich deiner Plattensammlung zu widmen, ist Zeit. Niemand hat Lust, auf die Schnelle Vinyl aufzulegen und sich selbst vorzuheucheln, man genieße die Musik gerade aus vollen Zügen. Ich bin gespannt, wie sich dein Hörverhalten ändert, solltest Du versuchen, dir an den einen oder anderen Stellen mehr Zeit für deine Musik nehmen. Falls Du Lust hast kannst Du es ja einfach mal ausprobieren und in ein paar Wochen/Monaten mitteilen, was draus geworden. ist. :)

      PS: Ja, das Theme von Ellen und Manuel ist großartig! Ich denke, dass es hier noch eine ganze Ecke hübscher wird sobald ich sämtliche Komfigurationsmöglichkeiten ausgeschöpft habe.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>